Die fünfte Generation der Mobilfunkstandards steht vor der Tür und die Netzbetreiber beginnen langsam aber sicher die neue Technologie auszurollen. Wie mit jeder neuen Mobilfunk-Generation nehmen auch mit 5G die Größen der Mobilfunkzellen weiter ab. Dies führt dazu, dass sich die Standortdichte schätzungsweise vervierfachen wird und somit auch der Hardware-Bedarf stark ansteigt. Gleichzeitig sinkt jedoch die Bereitschaft auf der Kundenseite für die Vorteile der neuen Technologie mehr zu zahlen, da 3G und 4G die Bedürfnisse der meisten Kunden bereits hinreichend abdecken.

Es stellt sich somit die Frage, wie Netzbetreiber die neue Technologie flächendeckend ausrollen können, ohne signifikant an der Preisschraube drehen zu müssen.

Mehr Standorte = Höhere Kosten

Der 5G-Standard setzt vorwiegend auf neue Frequenzbänder in höheren Frequenzbereichen als frühere Mobilfunkstandards, um so höhere Datenübertragungsraten erreichen zu können. Bei all ihren Vorteilen haben diese höheren Frequenzen jedoch den Nachteil, dass sie nur geringere Übertragungsreichweiten unterstützen und Hindernisse deutlich schlechter durchdringen können. Dies führt gezwungenermaßen zu kleineren Mobilfunkzellen und erfordert somit den Bau zusätzlicher Standorte. Einige Netzbetreiber rechnen hierbei mit einer Vervierfachung der erforderlichen Mobilfunkstationen.

Diese Vervielfachung der Standorte wird sich unweigerlich auf die Kostenstruktur des Netzes niederschlagen. Mehr Standorte bedeuten mehr Hardware, die installiert und gewartet werden muss, Mehrkosten bei Miete für Standorte und entsprechender Energieversorgung, zusätzlicher Konfigurationsaufwand im Backend um die Standorte in das bestehende Netz einzubinden sowie mehr Dokumentations-, Überwachungs- und Planungsaufwand.

Zudem werden Netzbetreiber die Potenziale von Kundenstandorten heben wollen. Dabei werden Microzellen auf den Routern bestehender Internet- und Festnetzkunden betrieben um so dem Netz unzählige, neue Mobilfunkstandorte hinzuzufügen. Da diese Standorte jedoch täglich neu hinzukommen bzw. wegfallen können, führt dies zu einer bisher nicht da gewesenen Dynamik, auf die im Netz reagiert werden muss. Ohne neue Konzepte auf der Technikseite wird der Betrieb des Netzes also deutlich aufwendiger.

Fehlender Mehrwert für den Endkunden

Zusammen mit der rasanten Verbreitung von Smartphones feierte 3G seinen Siegeszug, da es Endkonsumenten erstmals ermöglichte, mit akzeptabler Geschwindigkeit im Internet zu surfen und Onlineangebote zu nutzen. Entsprechend gut wurde 3G auch von Endkunden angenommen. Die Einführung von 4G LTE versprach schnelles Videostreaming auf Mobilgeräten und einen merklichen Geschwindigkeitsgewinn bei vielen bildintensiven sozialen Medien. Zwar war die Nachfrage bereits hier etwas verhaltener als noch beim Upgrade auf 3G, dennoch konnte die Technologie vielen Kundengruppen einen echten Mehrwert bieten.

Anders sieht es jedoch beim Technologieupgrade auf 5G aus. Für datenintensive Anwendungen von sozialen Medien bis Musik- oder Videostreaming steht bereits mit 4G LTE genügend Bandbreite zur Verfügung. Antwortzeiten im einstelligen Millisekundenbereich mögen aus technischer Sicht eindrucksvoll sein, Endkunden wird man mit diesen Eigenschaften jedoch nicht begeistern können. Warum mehr dafür bezahlen, dass der Videostream in 5 statt 50 Millisekunden startet? Beide Zeitintervalle sind für den Nutzer unmerklich kurz. Der Mehrwert für Endnutzer, den 5G gegenüber 4G LTE bietet, ist verschwindend gering.

Zusätzlich zahlen deutsche Mobilfunkkunden im Vergleich zu ihren europäischen Mitbürgern bereits deutlich höhere Preise für geringere Leistung. Dies wird es Mobilfunkanbietern erschweren, neue, höherpreisige Tarife mit dem Nutzen der neuen Technologie zu rechtfertigen.

Neue Einnahmequellen

Auch die Hersteller der 5G-Hardware scheinen den Braten bereits gerochen zu haben. Nicht umsonst preisen Sie vorwiegend die industrielle Nutzung der neuen 5G-Technologie und die internen Vorteile für Netzbetreiber an. Die Marketingtrommel wird kräftig gerührt mit Themen wie selbstfahrenden Autos, die aus der Cloud gesteuert werden. Dies passiert weniger, weil dieser Lösungsansatz tatsächlich Sinn macht, sondern viel mehr, weil das Thema gerade hip ist.

Nichtsdestotrotz eröffnen sich durch 5G tatsächlich einige vielversprechende neue Geschäftsfelder. Durch die höhere Bandbreite, geringen Latenzzeiten und höheren Nutzerzahlen pro Mobilfunkzelle bei 5G hat das Mobilnetz zum ersten Mal die Möglichkeit, in tatsächliche Konkurrenz zu fest verkabelten Netzwerken zu treten und diese in bestimmten Anwendungsfällen zu ersetzen.

Weiterhin kann die Technologie das Problem der letzten Meile lösen, was von besonderem Interesse für Netzbetreiber sein dürfte, bei denen kein Magenta auf dem Logo prangt. Statt Kabel bis in jede Wohnung zu legen oder diese anzumieten, können 5G Stationen in Ballungsräumen Hunderte Wohnungen mit einer Internetverbindung versorgen, die konkurrenzfähig zur festverkabelten Alternative ist. Nebenbei ergibt sich für den Kunden der Vorteil, dass sich die Erstinstallation vereinfacht, da keine Kabel mehr anzuschließen sind.

Technische Potenziale

Allein durch neue Einnahmequellen wird sich der zusätzliche Aufwand von 5G allerdings nicht finanzieren lassen. Hierzu müssen konsequent die Betriebskosten gesenkt werden. Dazu sind Konzepte nötig, mit deren Hilfe sich das Netzwerk größtenteils selbst organisieren kann. Konfigurationen müssen komplett automatisch generiert und ausgerollt werden können. Der dazu erforderliche Automatisierungsgrad führt zusätzlich dazu, dass Netzdokumentationen nicht mehr händisch erstellt und gepflegt werden müssen, sondern live aus dem Netz ausgelesen werden können, um so der neuen Dynamik gerecht zu werden.

Ein weiterer Lichtblick ist das Thema Network Function Virtualisation. Durch die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen in der Cloud muss weniger dedizierte Hardware an den Standorten vorgehalten werden. Dies spart nicht nur Kosten auf der Hardwareseite, sondern führt auch dazu, dass Mietkosten sinken. Da die Hardware vor Ort auf ein Minimum reduziert werden kann und die Zellgröße bei 5G ohnehin kleiner ausfällt als bisher, bieten sich somit auch kleinste Flächen wie Straßenlaternen als potenzielle Standorte an.

Um diese Potenziale heben zu können, bedarf es jedoch einer klaren Strategie, in der Automatisierung und Virtualisierung als technische Grundpfeiler identifiziert werden.